top of page

Ida Nielsen, die Prinzessin des Funk

  • 7. Okt. 2022
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Juli

Ein Interview von Martina Knecht über Musik, Prince und die Kraft des Funk.


Ida Nielsen auf der Bühne des JazzAscona mit ihrer charakteristischen Bassgitarre.
Ida Nielsen (Bass und Leadgesang) auf der Bühne des JazzAscona – mit ihrem massgefertigten Bass im Zentrum ihres unverwechselbaren Funk-Sounds.


«In den fast sechs Jahren, in denen ich eng mit Prince zusammenarbeitete, habe ich unglaublich viel über jeden Aspekt des Musiker:innendaseins gelernt.»


«A badass, badass chick.» – Prince


Mit diesen Worten beschrieb Prince Ida Nielsen – und traf damit weit mehr als nur ihr aussergewöhnliches Können am Bass. Er erkannte ihre Haltung, ihre Energie und ihre kompromisslose musikalische Persönlichkeit. Nachdem der Musiker aus Minneapolis sie 2010 entdeckt hatte, wurde Nielsen zunächst Mitglied von The New Power Generation und später Teil des Rocktrios 3rdEyeGirl, mit dem sie bis zu Princes frühem Tod im Jahr 2016 auf der Bühne stand.


Nach dieser prägenden Zeit richtete sie ihren Blick wieder auf ihre eigene künstlerische Arbeit. Gemeinsam mit The Funkbots verbindet die dänische Bassistin, Komponistin und Sängerin Jazz, Old-School-Funk, Hip-Hop und Soul zu einem kraftvollen Sound, der sie auf Bühnen in Europa, Asien, Australien, Brasilien und den USA geführt hat. Im Mittelpunkt steht dabei ihre lebenslange Leidenschaft für den Funk – eine Musik, die ihr künstlerisches Schaffen bis heute prägt und antreibt.


Am 2. Juli 2022 waren Ida Nielsen & The Funkbots beim JazzAscona zu Gast. Im Vorfeld des Konzerts sprach ich mit Ida Nielsen über ihren musikalischen Werdegang, ihre künstlerische Entwicklung und das bleibende Vermächtnis von Prince. 



Ida Nielsen & The Funkbots treten in der historischen Altstadt von Ascona auf.
Die historische Kulisse von Ascona bildete den Rahmen für den Auftritt von Ida Nielsen & The Funkbots beim JazzAscona 2022.


Als Prince dich unter Vertrag nahm, hattest du mit den Funkbots und mehreren Soloalben bereits deinen eigenen musikalischen Weg eingeschlagen. Dann nahm deine Karriere eine völlig neue Wendung. Wie kam es dazu?


Die Kurzfassung lautet: 2010 erhielt ich einen Anruf von Princes Manager. Er sagte mir, Prince habe meine MySpace-Seite entdeckt und würde gern mit mir jammen. Also flog ich nach Minneapolis. Wir spielten vielleicht zwanzig Minuten zusammen, und danach lud er mich ein, mit The New Power Generation auf Tour zu gehen. So begann dieses Abenteuer. [lächelt]



Wie war es, mit ihm zu arbeiten?


Für mich ging damit ein Traum in Erfüllung. Prince war schon lange, bevor wir uns begegneten, einer meiner grössten musikalischen Einflüsse. In den fast sechs Jahren, in denen ich eng mit ihm zusammenarbeitete, habe ich unglaublich viel über jeden Aspekt des Musiker:innendaseins gelernt.


Er war ein echtes Genie und forderte uns immer wieder heraus, jede Entscheidung bewusst zu treffen – musikalisch ebenso wie organisatorisch. Ich empfinde es als grosses Privileg, seinen kreativen Prozess gewissermassen aus der ersten Reihe miterlebt zu haben. In dieser Zeit habe ich unendlich viel über das Spielen, Arrangieren und Produzieren gelernt. Dieses Wissen begleitet mich bis heute und prägt meine eigene musikalische Arbeit – im Studio ebenso wie, ganz besonders, auf der Bühne.




Einblicke in den Auftritt von Ida Nielsen & The Funkbots beim JazzAscona. Von oben: Mika Vandborg (Gitarre und Backgroundgesang), Kuku Agami (Rap und Spoken Word) sowie Patrick Dorcean (Schlagzeug und Elektronik).



«Ich bin einfach dankbar, dass es Menschen gibt, die bassgetriebenen Funk hören möchten!»


Ida, diesen Sommer bist du mit den Funkbots in Brasilien und Europa auf Tournee. Als Bandleaderin trägst du heute die künstlerische Verantwortung für dein eigenes Projekt. Ist das manchmal auch belastend?


Nein, ganz im Gegenteil – es ist ein grossartiges Gefühl. Natürlich sind die Bedingungen und die Bühnen nicht mit denen vergleichbar, auf denen ich damals mit Prince gespielt habe. Aber heute mit meiner eigenen Musik meinen Lebensunterhalt zu verdienen und sie mit meinem Publikum teilen zu können, erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit. Und ich bin einfach dankbar, dass es Menschen gibt, die bassgetriebenen Funk hören möchten.



Gemeinsam mit dem deutschen Hersteller Sandberg Guitars hast du deinen eigenen Signature-Bass entwickelt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit – und was macht dieses Instrument besonders?


Ich kenne Holger, den Gründer von Sandberg Guitars, schon seit vielen Jahren. 2009 – also ein Jahr bevor ich zu Prince kam – schenkte er mir einen Bass, und ich habe mich sofort in dieses Instrument verliebt. Als sich später die Möglichkeit ergab, ein Signature-Modell zu entwickeln, war für mich sofort klar, dass ich das mit Sandberg machen wollte. Es gibt viele hervorragende Bassbauer, aber ich habe Sandberg-Bässe schon immer geliebt.


Mein Signature-Bass verfügt über zwei Tonabnehmer. Der vordere liefert genau den Old-School-Funk-Sound, den ich so liebe – etwa den Klang von Larry Graham. Der andere erinnert eher an den Sound von Jaco Pastorius. Es sind zwei völlig unterschiedliche Klangwelten, und genau das gefällt mir daran. Durch ihre Kombination entstehen unglaublich viele klangliche Möglichkeiten – von klassischen Funk-Sounds bis hin zu modernen, warmen Klangfarben.


Und dann ist da natürlich noch das Design: schwarz und gold. Ich finde ihn einfach wunderschön. [lächelt]



Dein fünftes Album 02022020 erschien im Jahr 2020 – ausgerechnet zu Beginn der Pandemie. Welche Erinnerungen verbindest du mit dieser Zeit?


Eigentlich kam das Album bereits am 2. Februar heraus – also noch bevor die Pandemie Dänemark wirklich erreicht hatte. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte ich deshalb keine Ahnung, was uns wenige Wochen später bevorstand.



Die anschliessenden Einschränkungen trafen den gesamten Kulturbereich. Wie haben die beiden Pandemiejahre deine künstlerische Arbeit verändert?


Sie haben vieles verändert. Vor allem haben sie mir gezeigt, wie wertvoll Live-Konzerte sind und wie sehr ich sie vermisst habe. Gleichzeitig habe ich gelernt, den Moment bewusster zu geniessen und die einfachen Dinge des Lebens mehr zu schätzen – die Natur, die Familie und die Zeit, die wir miteinander verbringen. Die Pandemie hat mir auch eine gewisse Gelassenheit gegeben. Ich musste nicht ständig an Termine oder äusseren Druck denken.


In dieser Zeit sind ausserdem einige neue musikalische Projekte entstanden. Dabei spiele ich hauptsächlich Keyboard und arbeite viel mit Programming. Ich habe zu Hause sehr viel Musik aufgenommen – stilistisch weit entfernt von dem, was viele als meinen typischen Funk kennen.



Publikum bei einem Open-Air-Konzert auf einem Platz in Ascona, das den Platz und eine schmale Gasse füllt.
Das Publikum füllt die Piazza und die schmale Gasse bis hinunter zum See.


Welchen Rat würdest du jungen Musikerinnen und Musikern geben, die eine Laufbahn in der Musikbranche anstreben?


Folgt euren Träumen mit ganzem Herzen. Wenn ihr bereit seid, eure Ziele mit Leidenschaft, Hingabe und harter Arbeit zu verfolgen, werden sich Chancen ergeben. Davon bin ich überzeugt.


Martina Knecht

Text © Martina Knecht

Alle Bilder in diesem Beitrag sind von Gioele Pozzi, © 2022 JazzAscona.

Das Interview von Martina Knecht mit Ida Nielsen wurde am 1. Juli 2022 in der Tessiner Presse veröffentlicht.




 
 


SWISS HYPERTEXT

Created by human intelligence

  • Instagram
  • LinkedIn

#swisshypertext

 © 2026 Martina Knecht, Zürich, Schweiz. Alle Rechte vorbehalten.

IMPRESSUM

bottom of page